Tag 2 – Konfliktlösung

Process Work betrachtet Konflikte als potenziell transformative Prozesse. Hier sind einige Kernkonzepte:

u und x

Processwork verwendet die Abkürzung u um alle Aspekte von Erfahrungen und Wahrnehmungen zu beschreiben, die mit dem Identitätsgefühl einer Person übereinstimmen und dieses ausmachen.

Wahrnehmungen, die diese Identität stören, als fremd erlebt werden oder sich der eigenen Kontrolle zu entziehen scheinen, werden als x.

Das “u” einer Person wird beispielsweise ausgedrückt, wenn sie “ich” sagt oder wenn sie sagt: “Ich will, plane oder tue etwas”. Das “x” hingegen wird typischerweise als etwas erlebt, das geschieht für die Person - etwas, das sich der Kontrolle und der Absicht entzieht, als störend empfunden und daher ausgegrenzt wird.

Bei Konflikten geraten wir in der Regel in einen Konflikt mit etwas, das wir als x erleben.

Rollen und Rollenwechsel

In einem Konflikt sind die wichtigsten Rollen das “Einnehmen der eigenen Seite und des eigenen Standpunkts” und das “Einnehmen der Seite und des Standpunkts des Gegners”.

Es gibt eine natürliche Tendenz zum Rollentausch! Das heißt, wir identifizieren uns vielleicht mit unserer eigenen Position, aber später im Konflikt bemerken wir, dass wir uns dazu hingezogen fühlen, den Standpunkt des Gegners zu vertreten.

Das ist eine sehr wichtige Bewusstseinsübung: Wahrnehmen und zulassen, dass man die Rollen wechselt, spüren, wann man in einer Rolle ist und wann man beginnt, in die andere zu wechseln.

Dieser Rollentausch führt zu mehr Bewusstsein und, wenn er abgeschlossen ist, zu einer natürlichen Konfliktlösung. Dann ist die praktische Verhandlung viel einfacher.

Quantenmechanik und Rotationssymmetrien mit Rollen in einem Gruppenprozess

  • Die Quantenmechanik sucht nach Symmetrien: wer zu einem bestimmten Zeitpunkt welche Rolle (oder Polarisierung) einnimmt, ist zufällig. Es gibt eine Tendenz für organische Umschaltung von Seiten; Wenn dies nicht der Fall ist, werden viele Doppelsignale auftauchen.
  • Rotationssymmetrie: Stell dir vor, du jonglierst mit acht Bällen. Jeder Ball kann jede Position einnehmen.

Sie drehen sich ständig durch alle Positionen. Die stabilen Elemente sind nicht die Bälle, sondern die beiden Hände. Je mehr Teilnehmer mehrere Rollen durchlaufen haben, desto mehr erfährt die Gruppe ein Gefühl von Fluss.

Josef Helbling + Ruth Weyermann