Tag 5 – Traumkörper-Theorie

Traumkörper-Theorie, die Symmetrie von Symptom und Traum, chronische Symptome / wiederkehrende Kindheitsträume

Traumkörper

Wenn wir einem körperlichen Symptom nachgehen – das heißt, wenn wir uns Zeit nehmen, ein körperliches Symptom zu spüren und diese Erfahrung zu entfalten –, finden wir dieselben Bedeutungsmuster, die wir auch bei der Arbeit mit Nacht-Träumen finden. Diese spiegelgleiche Beziehung drückt die Essenz des Konzepts des Traumkörpers aus.

Mit anderen Worten: Mindell beobachtete, dass Träume und körperliche Symptome einen zugrunde liegenden Traumprozess zum Ausdruck bringen. Der Begriff „Traumkörper” bezieht sich somit auf die psychophysische Gesamtheit der Erfahrung, in der Geist und Materie, Traum und Körper nicht voneinander getrennt sind, sondern Aspekte eines kontinuierlichen Informationsflusses darstellen. Dieser Ansatz erweitert Jungs Traumdeutung, indem er das Bewusstsein für die körperliche Erfahrung als Teil des Traumprozesses schärft.

Die Symmetrie von Symptom und Traum

Eine zentrale Beobachtung in der Traumkörpertheorie ist die Symmetrie zwischen Traumbildern und körperlichen Symptomen. Mindell bemerkte, dass Traumsymbole und Symptomqualitäten oft strukturell parallele Informationen über den Entfaltungsprozess des Individuums enthalten. Symmetrie bedeutet, dass man von allen Seiten zum gleichen Wesen vordringen kann, wie bei einem Ball, der unabhängig davon, von welcher Seite man ihn betrachtet, symmetrisch ist.

Die Implikation ist tiefgreifend: Körper und Psyche arbeiten zusammen, um Informationen ins Bewusstsein zu bringen. Heilung bedeutet, sich der Bedeutung bewusst zu werden, die in den Symptomen impliziert ist, oft durch Verstärkung und Entfaltung der subjektiven Erfahrung der Symptome, bis die Botschaft zu einer Erfahrung wird und eine Transformation bewirkt.

Chronische Symptome und wiederkehrende Kindheitsträume

Arnold Mindell beobachtete, dass chronische Symptome und wiederkehrende Kindheitsträume eine tiefe, bedeutungsvolle Verbindung miteinander haben. Beide spiegeln langfristige Versuche des Traumprozesses wider, ins Bewusstsein zu gelangen, und beide enthalten den wesentlichen Mythos oder das Lebensmuster des Individuums – was Mindell als “Lebensmythos” bezeichnete.

Ein wiederkehrender Traum, insbesondere aus der Kindheit, verkörpert oft ein zentrales Erfahrungsmotiv, das sich durch das gesamte Leben einer Person zieht. In ähnlicher Weise stellt ein chronisches Symptom ein wiederkehrendes, verkörpertes Signal dar – einen physischen “Traum”, dessen Bedeutung danach strebt, vollständig gelebt und integriert zu werden.

Wenn Klienten die Atmosphäre, Emotionen und Bilder eines chronischen Symptoms erforschen, entdecken sie häufig Szenen, Gefühle oder Figuren aus ihren frühen wiederkehrenden Träumen wieder. Beide Phänomene drücken dasselbe grundlegende Organisationsmuster aus.

Ruth Weyermann + Josef Helbling